Einleitung
Zikaden sind eine artenreiche Gruppe pflanzensaftsaugender Insekten aus der Ordnung der Schnabelkerfe (Hemiptera). Weltweit sind mehr als 45.000 Arten bekannt, die nahezu alle terrestrischen Lebensräume besiedeln. Besonders charakteristisch sind ihre auffälligen Gesänge, die vor allem von den Männchen vieler Arten erzeugt werden. Zikaden spielen eine wichtige Rolle in Ökosystemen, indem sie Nahrungsquelle für zahlreiche Tierarten sind und durch ihre Ernährungsweise Einfluss auf Pflanzenbestände nehmen.
Systematik und Merkmale
Zikaden gehören zur Unterordnung Auchenorrhyncha innerhalb der Ordnung der Schnabelkerfe. Zu ihnen zählen unter anderem Singzikaden, Schaumzikaden, Zwergzikaden und Buckelzikaden.
Die Körpergröße variiert je nach Art zwischen wenigen Millimetern und über sieben Zentimetern. Der Körper ist meist schlank und besitzt zwei Flügelpaare, die dachförmig über dem Hinterleib zusammengelegt werden. Die großen Facettenaugen ermöglichen ein weites Sichtfeld, während kurze Fühler der Orientierung dienen.
Charakteristisch ist der stechend-saugende Rüssel, mit dem Zikaden Pflanzensaft aus den Leitungsbahnen von Gräsern, Kräutern, Sträuchern oder Bäumen aufnehmen.
Lebenszyklus
Zikaden durchlaufen eine unvollständige Metamorphose (Hemimetabolie). Nach der Eiablage schlüpfen Nymphen, die den erwachsenen Tieren bereits ähneln, jedoch keine vollständig entwickelten Flügel besitzen.
Die Nymphen häuten sich mehrfach, bevor sie das adulte Stadium erreichen. Bei vielen Arten entwickeln sie sich oberirdisch an Pflanzen. Singzikaden verbringen dagegen einen Großteil ihres Lebens als Nymphen im Boden, wo sie den Saft von Pflanzenwurzeln aufnehmen. Erst nach mehreren Jahren verlassen sie den Boden, häuten sich ein letztes Mal und entwickeln ihre Flügel.
Je nach Art dauert der gesamte Entwicklungszyklus wenige Monate oder mehrere Jahre.
Lauterzeugung
Besonders bekannt sind die Singzikaden für ihre außergewöhnlich lauten Gesänge. Die Geräusche entstehen nicht durch das Aneinanderreiben von Körperteilen, sondern durch sogenannte Tymbalorgane. Dabei handelt es sich um elastische Membranen am Hinterleib, die durch kräftige Muskeln schnell eingedrückt und wieder entspannt werden. Dadurch entstehen Schallwellen, die durch luftgefüllte Hohlräume im Körper verstärkt werden.
Der Gesang dient hauptsächlich der Partneranlockung sowie der Revierabgrenzung. Einige tropische Arten erreichen Lautstärken von über 100 Dezibel und gehören damit zu den lautesten Insekten der Welt.
Ernährung
Zikaden ernähren sich ausschließlich von Pflanzensäften. Mithilfe ihres Saugrüssels durchdringen sie Pflanzengewebe und entnehmen Flüssigkeit aus den Leitungsbahnen.
Da Pflanzensaft nur geringe Mengen an Eiweiß enthält, müssen Zikaden große Flüssigkeitsmengen aufnehmen. Überschüssiges Wasser wird nahezu kontinuierlich ausgeschieden. Einige Arten produzieren dabei schaumartige Sekrete, die den Nymphen als Schutz vor Austrocknung und Fressfeinden dienen. Diese werden umgangssprachlich als „Kuckucksspeichel“ bezeichnet.
Ökologische Bedeutung
Zikaden übernehmen wichtige Funktionen innerhalb natürlicher Ökosysteme. Sie dienen zahlreichen Vögeln, Spinnen, Amphibien, Reptilien und räuberischen Insekten als Nahrung. Gleichzeitig beeinflussen sie durch ihre Saugtätigkeit das Wachstum und den Stoffwechsel vieler Pflanzen.
Einige Arten können Pflanzenkrankheiten übertragen, indem sie Krankheitserreger beim Saugen von einer Pflanze zur nächsten transportieren. Besonders im Obst- und Weinbau können dadurch wirtschaftliche Schäden entstehen.
Gleichzeitig gelten viele Zikadenarten als Bioindikatoren. Ihr Vorkommen liefert Hinweise auf die Qualität von Lebensräumen sowie den Zustand von Wiesen, Wäldern und Feuchtgebieten.
Besondere Arten
Eine außergewöhnliche Gruppe bilden die periodischen Zikaden Nordamerikas. Einige Arten verbringen 13 oder sogar 17 Jahre als Nymphen im Boden. Anschließend schlüpfen Millionen Tiere nahezu gleichzeitig. Dieses massenhafte Auftreten erhöht ihre Überlebenschancen, da Fressfeinde nur einen kleinen Teil der Population erbeuten können. Dieses Phänomen zählt zu den bemerkenswertesten Lebenszyklen im Tierreich.
Schlussfolgerung
Zikaden sind hoch spezialisierte Insekten mit einer bemerkenswerten biologischen Vielfalt. Ihre besondere Lauterzeugung, ihre oft ungewöhnlichen Entwicklungszyklen und ihre enge Bindung an Pflanzen machen sie zu einem bedeutenden Forschungsgegenstand der Entomologie. Gleichzeitig erfüllen sie wichtige ökologische Funktionen als Pflanzenfresser, Beutetiere und Indikatoren für intakte Lebensräume. Trotz ihrer oft geringen Größe gehören Zikaden zu den faszinierendsten und ökologisch bedeutsamsten Insektengruppen weltweit.
